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So wurde der FC Thun Meister

27. Mai 2026

BSL

Der FC Thun schrieb in der Saison 2025/26 ein echtes Fussballmärchen: Als Aufsteiger holten die Berner Oberländer auf Anhieb den Meistertitel in der Brack Super League. Doch wie gelang diesem Team der sensationelle Coup? Gemeinsam mit den Daten von Stats Perform werfen wir einen detaillierten Blick auf die Zahlen, Serien und Schlüsselspieler hinter der historischen Saison des FC Thun.

Für den FC Thun war es der erste grosse Titel der Klubgeschichte. Bislang wurden die Berner Oberländer zweimal Sieger der Challenge League (2010 und 2025). Gleichzeitig wurde Thun erst der zweite Aufsteiger seit Einführung der gemeinsamen Meisterschaft 1933/34, der Schweizer Meister wurde. Zuvor gelang dies einzig dem Grasshopper Club Zürich in der Saison 1951/52.

Überhaupt schafften es seit 1933/34 nur sechs Aufsteiger in die Top 3 – und der FC Thun steht nun ganz oben.

Die besten Aufsteiger seit 1933/34

SaisonTeamPlatz
1951/52Grasshopper Club Zürich1
1958/59FC Zürich3
1959/60FC Biel-Bienne2
2006/07FC Sion3
2012/13FC St.Gallen 18793
2025/26FC Thun1

Seit 1933/34 wird der Schweizer Meister, auch wenn der Modus variierte, in einer gemeinsamen Gruppe ausgespielt.

Erstmals seit Einführung der Super League 2003/04 heisst der Schweizer Meister weder FC Basel 1893, FC Zürich noch BSC Young Boys. Erstmals seit 2002/03 gewann damit wieder ein anderes Team den Titel – damals holte der Grasshopper Club Zürich die Meisterschaft. Der FC Thun ist insgesamt der 20. unterschiedliche Schweizer Meister der Geschichte.

Der beste Aufsteiger der Super-League-Geschichte

Dass diese Meisterschaft kein Zufall war, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Der FC Thun spielte statistisch die stärkste Saison eines Aufsteigers seit Gründung der Super League.

Die besten Aufsteiger in der Super-League-Historie

TeamSaisonSpieleSUNToreGTTDPunkteRang
FC Thun2025/263824311805228751
FC Sion2006/073617910574215603
FC St.Gallen 18792012/133617811543618593
Servette FC2019/203612131157489494
FC Zürich2017/183612131150446494

Der FC Thun holte mehr Punkte als fünf frühere Super-League-Meister. Unter anderem reichten dem FC Basel 1893 in der Vorsaison 73 Punkte zum Titelgewinn.

Zudem verpasste der FC Thun einen weiteren Rekord nur knapp: Mit drei Remis spielten die Berner Oberländer nur einmal häufiger unentschieden als der bisherige Tiefstwert der Super-League-Geschichte. Nur der Grasshopper Club Zürich und der BSC Young Boys kamen 2009/10 auf lediglich zwei Remis – damals allerdings in 36 Spielen.

Der Meisterlauf: 37 Punkte aus 13 Spielen

Mitentscheidend für den Titelgewinn war die Phase zwischen der 18. und der 30. Runde. In diesen 13 Spielen holte der FC Thun 37 von möglichen 39 Punkten. Eingeleitet wurde diese Serie von zehn Siegen am Stück – der viertlängsten Siegesserie in der Super-League-Historie.

Längste Siegesserien in der Super League

RangTeamSiegeZeitraum
1FC Basel 189313Juli 2003 – Oktober 2003
2FC Zürich11April 2006 – August 2006
2BSC Young Boys11Mai 2018 – September 2018
4FC Thun10Dezember 2025 – Februar 2026

Die Serien des FC Zürich und des BSC Young Boys waren beide saisonübergreifend. Entsprechend war die Siegesserie des FC Thun die zweitlängste eines Teams innerhalb einer einzelnen Super-League-Saison.

Kontinuität statt Experiment

Bemerkenswert an Thuns Erfolg ist insbesondere die personelle Kontinuität innerhalb der Mannschaft. Der Meistertitel basiert nicht auf einem grossen Umbruch, sondern auf einem Team, das bereits über längere Zeit zusammenspielte. Von den 17 Spielern mit mindestens 1000 Einsatzminuten in dieser Super-League-Saison waren nur vier in der Vorsaison noch nicht für den FC Thun im Einsatz gewesen.

FC Thun – BSL 2025/26

SpielerSpieleMinutenLetzte Saison
Niklas Steffen363217FC Thun
Leonardo Bertone332939FC Thun
Marco Bürki332749FC Thun
Elmin Rastoder362713FC Thun
Michael Heule312597FC Stade-Lausanne-Ouchy
Jan Bamert342595FC Thun
Fabio Fehr292142FC Thun
Mattias Käit292042FC Rapid 1923
Brighton Labeau362038EA Guingamp
Genís Montolio281848FC Thun
Ethan Meichtry351776FC Thun
Christopher Ibayi301631FC Thun
Valmir Matoshi341607FC Thun
Justin Roth281536FC Thun
Kastriot Imeri301509BSC Young Boys
Nils Reichmuth321425FC Thun
Lucien Dähler191312FC Thun

Pressing als Meisterrezept

Die Zahlen zeigen klar, worauf das Spiel des FC Thun basierte: aggressives Pressing, hohe Ballgewinne und maximale Intensität gegen den Ball.

Thuner Bestwerte in dieser Super-League-Saison

KategorieWert
Geteilt meiste Tore80
Meiste Schüsse649
Meiste Ecken herausgeholt221
Meiste Punkte nach Rückstand geholt23
Meiste hohe Ballgewinne354
Meiste Pressingsequenzen621
Höchste Balleroberungslinie43.1 m
Tiefster PPDA-Wert*8.6

*Bedeutung PPDA-Wert: Gibt an, wie viele Pässe der Gegner im Angriffs- und Mittelfelddrittel im Schnitt spielen darf, bis deine Mannschaft eingreift. Je tiefer der Wert, desto: aggressiver, intensiver und höher ist das Pressing.

Die neun Tore nach hohen Ballgewinnen waren ebenfalls Ligabestwert.

Nicht in Schönheit sterben

Spielkontrolle über Ballbesitz und gepflegtes Passspiel wurde von Meistertrainer Mauro Lustrinelli den Zahlen nach nicht besonders hoch gewichtet.

FC Thun – BSL 2025/26

KategorieWertLigarang
Ballbesitz45.8%9
Pässe pro Spiel32011
Passquote71.1%10
Sequenzen mit 10+ Pässen11410

Weniger Pässe pro Spiel verzeichnete einzig der FC St.Gallen 1879 mit 309.

Elmin Rastoder – vom Überraschungsmann zum Topscorer

Dass Elmin Rastoder die Saison als Topscorer des Meisterteams abschliessen würde, war vor der Spielzeit wohl nur schwer vorherzusagen. Der 24-Jährige entwickelte sich jedoch zu einer der prägenden Figuren beim FC Thun und bestätigte dies mit starken Leistungen über die gesamte Saison hinweg.

Der 24-Jährige, der seit letztem Jahr für die nordmazedonische Nationalmannschaft spielt, schaffte 21 Torbeteiligungen (15 Tore, 6 Assists). Dies reichte in der Topscorerliste 2025/26 ligaweit zum geteilten Platz 3 hinter Christian Fassnacht (25) und Matteo Di Giusto (24).

Auf dem geteilten zweiten Platz beim FC Thun folgten mit je 14 Torbeteiligungen Kastriot Imeri (6 Tore, 8 Assists) und Christopher Ibayi (10 Tore, 4 Assists).

Davor blieb Rastoder in seinen acht Super-League-Spielen für den Grasshopper Club Zürich in den Saisons 2021/22 und 2023/24 ohne eine einzige Torbeteiligung.

Zudem verzeichnete Rastoder in der Brack Super League 2025/26 unter allen Spielern die meisten Ballaktionen im gegnerischen Strafraum (287).

Niklas Steffen – der Rückhalt des Meisters

Dass Niklas Steffen die unbestrittene Nummer 1 beim Schweizer Meister werden würde, konnte man anhand seiner Vita nicht erahnen. Seine Karriere führte ihn aus dem Nachwuchs des FC Basel 1893 über den FC Stade-Lausanne-Ouchy und den FC Rapperswil-Jona zum FC Thun.

Dort absolvierte er in der Vorsaison in der dieci Challenge League weniger Spiele (14) als Nino Ziswiler (22). In dieser Saison liess der 25-Jährige mit seinen starken Leistungen jedoch keine Goaliediskussion aufkommen.

Mit seinen Paraden verhinderte er – betrachtet man die Qualität der gegnerischen Abschlüsse aus dem Spiel ohne Penaltys und Eigentore – statistisch zehn Gegentore. Diesen Wert übertraf in der Super-League-Saison kein anderer Torhüter.

Leonardo Bertone – der Taktgeber

Als einer von wenigen Spielern beim FC Thun wusste Leonardo Bertone bereits, wie sich ein Meistertitel anfühlt. Gemeinsam mit Marco Bürki und Kastriot Imeri gewann er bereits mit dem BSC Young Boys den Schweizer Cup.

Bertone war es auch, der mit seinen zwei Treffern beim 2:1-Auswärtssieg beim FC Lugano in der 1. Runde den Grundstein für die Saison legte. Der 32-Jährige spielte beim FC Thun die meisten Pässe (1301) und verzeichnete gleichzeitig die meisten Schussversuche (73).

Nur Elmin Rastoder (145) war an mehr Thuner Angriffssequenzen beteiligt, die mit einem Abschluss endeten, als Bertone (121).

Wie der Grafik abzulesen ist, kamen 50 von Bertones 73 Abschlüssen aus Angriffen im offenen Spiel zustande. Die weiteren Abschlüsse entstanden nach gegnerischen Fehlern, Standardsituationen oder direkten Freistossversuchen.

Apropos Freistösse: Bertones drei direkte Freistosstore waren alleiniger Höchstwert in dieser Super-League-Saison. Dahinter folgten Anto Grgic vom FC Lugano und Chima Okoroji vom FC St.Gallen 1879 mit je zwei Treffern.

Michael Heule und Fabio Fehr – starke Impulse über die Aussenbahnen

Diese Auflistung der Schlüsselspieler ist nicht abschliessend. Für die starke Defensivarbeit hätten beispielsweise auch Marco Bürki, Jan Bamert oder Genís Montolio erwähnt werden können.

Einen besonders wichtigen Anteil am Meistertitel hatten jedoch auch Michael Heule und Fabio Fehr. Die beiden Aussenverteidiger entwickelten sich beim FC Thun zu konstanten Leistungsträgern und sorgten sowohl defensiv als auch offensiv für grossen Einfluss.

Vor der Saison verfügten die beiden zusammen erst über 15 Einsätze in der Super League: Fabio Fehr lief einmal für den Grasshopper Club Zürich auf, Michael Heule einmal für den FC St.Gallen 1879 und 13-mal für den FC Stade-Lausanne-Ouchy.

In der Meistersaison gehörten sie dennoch zu den produktivsten Verteidigern der Liga. Unter allen Defensivspielern verzeichnete nur Lillian Njoh vom Servette FC mehr Assists als Fabio Fehr (7) und Michael Heule (6, gleich viele wie Nias Hefti vom FC Sion).

Fehr schlug beim FC Thun die meisten Flanken der Mannschaft (181), Standards inklusive, und kam auf die zweitmeisten Schussvorlagen im Team (56). Nur Elmin Rastoder bereitete noch mehr Abschlüsse vor (61).

Michael Heule wiederum verzeichnete die meisten Ballaktionen aller Thuner Spieler (1785) und gewann starke 60 Prozent seiner 329 geführten Zweikämpfe (196 gewonnen).